Grüne Liste unterstützt Proteste gegen die Theateraufführung "Die Wölfe"

Mittwoch, 12. November 2003 um 00:00 Uhr


Das Erlanger Theater will die Aufführung von "Die Wölfe" des NS-Dramatiker Hans Rehberg nicht absetzen. Vom 16. bis 21. November steht das "U-Boot-Drama" nun doch auf dem Spielplan des Theaters in der Garage. Die "Initiative gegen Nazi-Propaganda auf der Bühne" hat für die Premiere und jeden weiteren Aufführungstermin Gegendemonstrationen angemeldet (Beginn 16. November, 18.00 vor dem Theater in der Garage). Die Grüne Liste unterstützt die geplanten Proteste.

Mit welchen Argumenten die Diskussion im Kielwasser der geplanten Aufführung geführt wurde, zeigt nochmals sehr deutlich, dass Rehbergs Stück auf dem Spielplan des Theaters völlig fehl am Platz ist. Die Grüne Liste will dem Theater nicht vorschreiben, wie es sein Programm zu gestalten hat, hätte aber von der Intendantin Sabina Dhein im Vorfeld einen verantwortungsbewussteren Umgang erwartet - oder in letzter Zeit wenigstens den Mut, doch noch eine andere Entscheidung zu fällen.

Es überzeugt auch nicht, dass nun die Aufführungen noch mit einem kurzfristig aus dem Ärmel geschüttelten Begleitprogramm versehen werden sollen. Schließlich gab es bereits derart relativierende Ankündigungen des Theaters, wie z. B. den Verweis auf "Rehbergs ambivalente Haltung zur Diktatur". Diese Ambivalenz konnte nicht einmal das Oberkommando der Wehrmacht entdecken und erkannte im Frühjahr 1944 dem U-Boot-Stück "Kriegswichtigkeit" zu. Auch die spätere ausführliche Stellungnahme des Theaters im Kulturausschuss war in vielen Punkten kritikwürdig, wie auch der Publizist Ralph Giordano in einem Brief detailliert ausführte.
Inzwischen erntet die Haltung der Intendantin auch den Beifall, den das Theater sicher nicht gewollt aber verursacht und mit zu verantworten hat.

Anrufe wie "dich hat man beim Vergasen vergessen" bei einem Mitarbeiter der Grünen Liste sollen hier nur nebenbei erwähnt werden, sie sind in der Minderheit und auch bei anderen Gelegenheiten zu beobachten. Andere Solidarisierungen allerdings sollten zu Denken geben: Angefangen von Franz Schönhubers (Ex-Republikaner) Lob für "Sachverstand und Zivilcourage" des "mutigen SPD-Kulturreferenten", weil er "Die Wölfe" aufführen lassen will. Oder wenn während einer vom Theater veranstalteten Diskussion im Markgrafentheater aus dem Publikum unwidersprochen gerufen wird, dass "die Juden daran Schuld sind", wenn dieses Stück abgesetzt werde. Und in den Leserbriefspalten der Erlanger Nachrichten wird bedauert, dass die Stadtspitze leider vor "der jüdischen Gemeinde eingeknickt" sei. "Wenn wir künftig erst Herrn Giordano fragen müssen", war dort auch zu lesen "welche Theaterstücke wir sehen dürfen, so ist dies ein Eingriff in die Kulturhoheit" - mit der Schlussfolgerung: "Dies hatten wir schon einmal".
Es wäre die Aufgabe des Theaters gewesen, über Sinn, Unsinn und Grenzen nachzudenken. Wenn allerdings in diesem Zusammenhang Überlebende der Shoa beleidigt werden, ist das unerträglich. Wie auch durch Hans-Michael Rehberg geschehen, der dem Regisseur Marc Pommerening das Skript vom U-Boot-Drama seines Vaters zur Verfügung stellte. In einem Brief an Ralph Giordano schreibt dieser, er sei entsetzt über Giordanos Kritik, "die in vielem in Art und Ausdruck dem Ihrer Peiniger gleicht."

Spätestens hier sollten, so der dringende Ratschlag der Grünen Liste, klare Konsequenzen gezogen werden.


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